Ein Präsident spielt den nächsten Streich?
Die Monroe-Doktrin ist zurück - ausgerechnet im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika. Während Amerika ein sportliches Großereignis vorbereitet, nehmen die politischen Spannungen auf dem Kontinent spürbar zu. Scharfe Rhetorik und Machtansprüche wecken Erinnerungen an die Zeit nach dem 11. September, als Unsicherheit und Eskalation den Ton bestimmten.
von Marcel Calsen
von Marcel Calsen
Ein Turnier als Fest - oder als Kulisse einer neuen geopolitischen Zuspitzung?
Etwa ein halbes Jahr vor dem Anpfiff der Weltmeisterschaft in Kanada, den USA und Mexiko liegt ein Schatten über dem Turnier. Nicht sportlich, sondern politisch. Während sich Fans auf Stadien, Spiele und Sommerabende freuen, stellt sich eine unbequeme Frage: Was, wenn der nächste politische Streich bereits vorbereitet wird, noch bevor der erste Ball rollt? Mit Abpfiff, Pokalübergabe und einer weiteren Selbstinszenierung Trumps am Finaltag am 19. Juli der nächste Streich vorbereitet und ein Bruch der Beziehungen zu Mexiko eingeleitet wird? Der nächste Staat mit Drogenkartellen auf seiner egoistischen Zielscheibe? Seine Unberechenbarkeit erreichte unlängst die nächste Stufe. Das Turnier der Hoffnung könnte zum Turnier der Unsicherheit werden.
Mit-Gastgeberland unter Beobachtung
Was bedeutet diese Lage für Mexiko? Wie fühlt sich ein Land, das Fußball feiern will - jetzt voller Freude auf das nächste Fußballfest im eigenen Land seit 1986 blickt - während es zugleich zum möglichen Schauplatz geopolitischer Eskalation werden kann? Die Angst ist nicht abstrakt. Sie ist konkret. Denn es ist denkbar, dass - nach einer wieder Mals selbstinszenierten Pokalübergabe Trumps an das Siegerland - der amerikanische Präsident bereits die Drogenkartelle Mexikos als nächstes Ziel ausgemacht hat.
Die Rückkehr der Monroe-Doktrin
Donald Trump ist dabei der zentrale Unsicherheitsfaktor. Seine Unberechenbarkeit ist kein rhetorisches Stilmittel, sondern politische Praxis. Die Monroe-Doktrin klopft wieder an die Tür. In Trumps Lautstärke. Dem kolumbianischen Präsidenten droht er am 3. Januar, weil er Drogenlabore in seinem Land habe, Kuba ist seit jeher der altbekannte sozialistische Feind und ein Dorn im Auge, folgt auch Nicaragua? Und dann Mexiko, in dem in Teilen des Landes Drogenkartelle das Sagen haben. ?Die Monroe-Doktrin aus den 1920er Jahren kommt zurück wie Phönix aus der Asche: Lateinamerika als Einflusszone, Interventionen als legitimes Mittel amerikanischer Interessenpolitik.
Der Gedanke an einen weiteren ,,Eingriff", einen neuen Aufmarsch der seit jeher und 9/11 wieder auf erwachten Weltpolizei, ist nicht mehr weit hergeholt - sondern Teil einer realen Debatte.
Das Déjà-vu des Déjà-vus der Geschichte
Unweigerlich drängen sich historische Parallelen auf. So erinnert Trumps Pressekonferenz vom 3. Januar 2026 an eben diesen Tag nach dem 11. September 2001, als George W. Bush das US-amerikanische Volk auf den ausgemachten Feind einschwörte. Der neue Feind: Die mutmaßlichen Narcos - Drogenbanden aus Lateinamerika, die Trumps Nation vergiften.?Auch damals nach ,,9/11" begann vieles mit vagen Bedrohungsszenarien, mit Pressekonferenzen, die mehr Fragen aufwarfen als beantworteten. Die Erinnerungen an die Auftritte von George W. Bush nach den Anschlägen sind für viele erschreckend ähnlich: moralische Gewissheit, militärische Optionen, ein klar definiertes Feindbild - und unklare Folgen.
Die Gefahr eines Flächenbrands
Sollte Trump tatsächlich den Versuch unternehmen, militärisch oder paramilitärisch in Mexiko einzugreifen, droht ein Szenario mit verheerenden Konsequenzen. Ein Bürgerkrieg ist kein alarmistisches Schlagwort, sondern eine reale Möglichkeit. Der letzte große innere Konflikt in Mexiko begann 2006, als mexikanische Sicherheitskräfte versuchten, die Drogenkartelle militärisch zu zerschlagen. Das Ergebnis: ein andauernder und verheerender Krieg, der seit jeher anhält. Weit über 100.000 Tote, ein Land im Dilemma.?Ein externer Akteur wie die USA würde diese fragile Balance, die dennoch in Mexiko herrscht, nicht stabilisieren - sondern zerreißen. Wieder einmal, wie in der Geschichte zahlreiche Beispiele zeigen, von den USA verursacht.
Ein Kontinent am Kipppunkt
Was hier auf dem Spiel steht, ist mehr als nationale Sicherheit oder internationale Symbolpolitik. Es geht um einen ganzen Kontinent, der erneut in Aufruhr geraten könnte - ausgelöst durch Machtpolitik und das egoistische Interesse eines einzelnen Präsidenten. In seiner Pressekonferenz am 3. Januar ist er immerhin in einer Sache berechenbar: Seine deutliche Ehrlichkeit. Warum die Entführung Maduros aus Venezuela? ,,Das amerikanische Öl, das Venezuela uns gestohlen hat".
07.01.26
von Marcel Clasen
M. C. kommt aus Nordrhein-Westfalen und lebt nach Ausflügen ins Ruhrgebiet und nach Lateinamerika wieder in seiner Heimatstadt. Mit der Zeit entwickelte er Fernweh. In einem fünfmonatigen Sabbatical zog es ihn nach Peru und während des Studiums lebte er anderthalb Jahre in Mexiko. Seine Erfahrungen in Mexiko hat er in einem Buch verarbeitet.
Etwa ein halbes Jahr vor dem Anpfiff der Weltmeisterschaft in Kanada, den USA und Mexiko liegt ein Schatten über dem Turnier. Nicht sportlich, sondern politisch. Während sich Fans auf Stadien, Spiele und Sommerabende freuen, stellt sich eine unbequeme Frage: Was, wenn der nächste politische Streich bereits vorbereitet wird, noch bevor der erste Ball rollt? Mit Abpfiff, Pokalübergabe und einer weiteren Selbstinszenierung Trumps am Finaltag am 19. Juli der nächste Streich vorbereitet und ein Bruch der Beziehungen zu Mexiko eingeleitet wird? Der nächste Staat mit Drogenkartellen auf seiner egoistischen Zielscheibe? Seine Unberechenbarkeit erreichte unlängst die nächste Stufe. Das Turnier der Hoffnung könnte zum Turnier der Unsicherheit werden.
Mit-Gastgeberland unter Beobachtung
Was bedeutet diese Lage für Mexiko? Wie fühlt sich ein Land, das Fußball feiern will - jetzt voller Freude auf das nächste Fußballfest im eigenen Land seit 1986 blickt - während es zugleich zum möglichen Schauplatz geopolitischer Eskalation werden kann? Die Angst ist nicht abstrakt. Sie ist konkret. Denn es ist denkbar, dass - nach einer wieder Mals selbstinszenierten Pokalübergabe Trumps an das Siegerland - der amerikanische Präsident bereits die Drogenkartelle Mexikos als nächstes Ziel ausgemacht hat.
Die Rückkehr der Monroe-Doktrin
Donald Trump ist dabei der zentrale Unsicherheitsfaktor. Seine Unberechenbarkeit ist kein rhetorisches Stilmittel, sondern politische Praxis. Die Monroe-Doktrin klopft wieder an die Tür. In Trumps Lautstärke. Dem kolumbianischen Präsidenten droht er am 3. Januar, weil er Drogenlabore in seinem Land habe, Kuba ist seit jeher der altbekannte sozialistische Feind und ein Dorn im Auge, folgt auch Nicaragua? Und dann Mexiko, in dem in Teilen des Landes Drogenkartelle das Sagen haben. ?Die Monroe-Doktrin aus den 1920er Jahren kommt zurück wie Phönix aus der Asche: Lateinamerika als Einflusszone, Interventionen als legitimes Mittel amerikanischer Interessenpolitik.
Der Gedanke an einen weiteren ,,Eingriff", einen neuen Aufmarsch der seit jeher und 9/11 wieder auf erwachten Weltpolizei, ist nicht mehr weit hergeholt - sondern Teil einer realen Debatte.
Das Déjà-vu des Déjà-vus der Geschichte
Unweigerlich drängen sich historische Parallelen auf. So erinnert Trumps Pressekonferenz vom 3. Januar 2026 an eben diesen Tag nach dem 11. September 2001, als George W. Bush das US-amerikanische Volk auf den ausgemachten Feind einschwörte. Der neue Feind: Die mutmaßlichen Narcos - Drogenbanden aus Lateinamerika, die Trumps Nation vergiften.?Auch damals nach ,,9/11" begann vieles mit vagen Bedrohungsszenarien, mit Pressekonferenzen, die mehr Fragen aufwarfen als beantworteten. Die Erinnerungen an die Auftritte von George W. Bush nach den Anschlägen sind für viele erschreckend ähnlich: moralische Gewissheit, militärische Optionen, ein klar definiertes Feindbild - und unklare Folgen.
Die Gefahr eines Flächenbrands
Sollte Trump tatsächlich den Versuch unternehmen, militärisch oder paramilitärisch in Mexiko einzugreifen, droht ein Szenario mit verheerenden Konsequenzen. Ein Bürgerkrieg ist kein alarmistisches Schlagwort, sondern eine reale Möglichkeit. Der letzte große innere Konflikt in Mexiko begann 2006, als mexikanische Sicherheitskräfte versuchten, die Drogenkartelle militärisch zu zerschlagen. Das Ergebnis: ein andauernder und verheerender Krieg, der seit jeher anhält. Weit über 100.000 Tote, ein Land im Dilemma.?Ein externer Akteur wie die USA würde diese fragile Balance, die dennoch in Mexiko herrscht, nicht stabilisieren - sondern zerreißen. Wieder einmal, wie in der Geschichte zahlreiche Beispiele zeigen, von den USA verursacht.
Ein Kontinent am Kipppunkt
Was hier auf dem Spiel steht, ist mehr als nationale Sicherheit oder internationale Symbolpolitik. Es geht um einen ganzen Kontinent, der erneut in Aufruhr geraten könnte - ausgelöst durch Machtpolitik und das egoistische Interesse eines einzelnen Präsidenten. In seiner Pressekonferenz am 3. Januar ist er immerhin in einer Sache berechenbar: Seine deutliche Ehrlichkeit. Warum die Entführung Maduros aus Venezuela? ,,Das amerikanische Öl, das Venezuela uns gestohlen hat".
07.01.26
von Marcel Clasen
M. C. kommt aus Nordrhein-Westfalen und lebt nach Ausflügen ins Ruhrgebiet und nach Lateinamerika wieder in seiner Heimatstadt. Mit der Zeit entwickelte er Fernweh. In einem fünfmonatigen Sabbatical zog es ihn nach Peru und während des Studiums lebte er anderthalb Jahre in Mexiko. Seine Erfahrungen in Mexiko hat er in einem Buch verarbeitet.
Schreibe einen Kommentar
Seite teilen
