Nur wer sich ändert, bleibt sich treu
Die Bundesländer der Bundesrepublik neu aufteilen? Ein Gedanke so absurd, dass er wieder gut ist.
Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.
von Alexander Kira
Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.
von Alexander Kira
Es gibt gutes Timing und schlechtes Timing. Während Berlins Regierender durch das Tennis-Gate selbst dafür gesorgt hat, dass bis zum Kältetod des Universums nun wirklich jeder diese Kamelle gegen ihn verwenden kann, zeigt der Söder Markus wie es richtig geht. Denn wie im Tennis ist auch in der Politik alles eine Frage des Timings.
Wenn nunmehr das riesige Grönland die Staatsflagge wechselt, dann erscheint nämlich der Gedanke kleine Marktflecken wie Bremen und Hamburg endlich von ihrer temporären Eigenverwaltung zu befreien gar nicht so abwegig, quasi eine Formalität wie eine Straßenumbenennung in Berlin Kreuzberg. Gut, die Öffentlichkeit hat sich quasi Überschlagen die Absurdität dieser Idee so lange zu preisen, bis Ihr die Adjektive ausgingen. Insofern ist der Plan nicht ganz aufgegangen. Bei Licht besehen lassen sich alle Argumente jedoch auf das bloße Prinzip ,,never change a working system" runterbrechen.
Ja in der Tat, die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben ebendieses im Bonner Hofgarten in einer stürmischen Nacht empfangen, durch Blitze in Schiefertafeln vom Felsen Loreley graviert. Bereits die Römer scheiterten bei ihren kolonialen Ambitionen, da sie dachten ,,Nordrhein-Westfalen" wären zwei Bundesländern und haben sich dauernd verlaufen. Auch Rheinland-Pfalz wird bereits auf steinzeitlichen Höhlenmalereien, tief unter seinen unberührten Wäldern, in bunten Farben abgebildet. Wer könnte es nun wagen, so eine gottgewollte Ordnung zu ändern? Allein dies auszusprechen, scheint wider die Relativitätstheorie und das 1. Newtonsche Gesetz.
Abgesehen davon, dass Veränderung niemals sein darf, birgt dieser Gedanke noch eine andere Botschaft, die in der deutschen Politik vollkommen fremd - und mithin verständlicherweise auch von der Öffentlichkeit schwer zu akzeptieren ist: Warum nicht einmal etwas anderes ausprobieren, als dem Bürger etwas wegzunehmen? Die aktuelle Debatte um die Erbschaftssteuer zeigt plastisch, dass man sich alle Innovationen sparen kann, solange man noch Bürger findet, die etwas auf der hohen Kante haben. Und da Multimilliardäre mit ihren gewaltigen Gärtnereien, Glasereien und Kfz-Werkstätten und ihren 19 Mitarbeiten eh keiner mag, ist dies auch ein schönes Wahlkampfthema. Getreu dem Grundsatz ,,Aus dem Weg Kapitalisten, die letzte Schlacht gewinnen wir" - Rio Reiser und R.P.S. Lanrue haben einfach zu gut getexted.
Der Gedanke, dass sich dahingegen der Staat mal bewegen und umorganisieren könnte erscheint da verständlicherweise absurd. Dankenswerterweise haben bereits alle erleichtert festgestellt, dass es vollkommen ausgeschlossen ist, dass eine solche Reform auch nur einen Cent an Ersparnis bringt. Puh - Glück gehabt. Doch auch vom Sport allein nimmt man nicht ab, aber ohne ihn nützt auch die beste Diät nichts. Zudem wäre es wider die Natur und das schlimmste überhaupt, wenn die West-Bundesbürger einmal das machen müssten, was alle Ost-Bundesbürger schon einmal erleben mussten.
Natürlich birgt der Södersche Vorschlag auch Risiken: Hannover gehörte unter Georg I. von 1714 bis 1837 ganze 123 Jahre lang zu Großbritannien. Nun könnten sich die Nieder-Sachsen, die das Angel-Sachsen bereits stolz halb im Namen tragen, in einem letzten Akt bundesländischer Souveränität dem Zugriff Berlins entziehen und sich der britischen Krone anschließen. Seine königliche Hoheit König Charles der III. wäre sicherlich amused hierüber. Die Sennheisers, Rossmanns und Schaefflers würden sich neue Märkte erschließen. Hannover 96 könnte auf ganz andere Ressourcen zurückgreifen. Und Altkanzler Schröder wäre die Querelen mit seiner etwas humorbefreiten Partei los - war die Zigarre doch in Wirklichkeit kein Hinweis auf Ludwig Erhard, sondern auf Winston Churchill. Durchaus real wäre zudem die Gefahr, dass auch Wattenscheid zweifelsohne die Gunst der Stunde nutzen würde, der bescheidene Autor dieser Zeilen hatte bereits mehrfach davor gewarnt. Im allgemeinen Trubel könnte es sich nicht nur von Bochum befreien, sondern gleich als eigenes Bundesland, oder natürlich viel wahrscheinlicher, eigenständiger Staat mit Sitz in der UN-Hauptversammlung und temporärem Sitz im Sicherheitsrat endlich frei sein. Vertrauliche Gespräche mit katalanischen Kreisen finden angeblich bereits in Andorra statt.
Aber abgesehen von solchen Zankereien um den besten Platz auf dem Katzenkratzbaum: Die ganze Welt ändert sich gerade. Und wir Europäer? Wir schauen nur zu beim großen Tennismatch, anstatt mit Augenmaß auch mal zu agieren, statt zu reagieren. Zumindest übungshalber in unserem eigenen Sprengel. Denn - nur wer sich ändert, bleibt sich treu.
19.01.2026
Alexander Kira hat über internationalen Menschenrechtsschutz provomiert und ist Jurist, Moderator und Kabarettist. Er lebt und schreibt im Herzen von Berlin.
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Wenn nunmehr das riesige Grönland die Staatsflagge wechselt, dann erscheint nämlich der Gedanke kleine Marktflecken wie Bremen und Hamburg endlich von ihrer temporären Eigenverwaltung zu befreien gar nicht so abwegig, quasi eine Formalität wie eine Straßenumbenennung in Berlin Kreuzberg. Gut, die Öffentlichkeit hat sich quasi Überschlagen die Absurdität dieser Idee so lange zu preisen, bis Ihr die Adjektive ausgingen. Insofern ist der Plan nicht ganz aufgegangen. Bei Licht besehen lassen sich alle Argumente jedoch auf das bloße Prinzip ,,never change a working system" runterbrechen.
Ja in der Tat, die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben ebendieses im Bonner Hofgarten in einer stürmischen Nacht empfangen, durch Blitze in Schiefertafeln vom Felsen Loreley graviert. Bereits die Römer scheiterten bei ihren kolonialen Ambitionen, da sie dachten ,,Nordrhein-Westfalen" wären zwei Bundesländern und haben sich dauernd verlaufen. Auch Rheinland-Pfalz wird bereits auf steinzeitlichen Höhlenmalereien, tief unter seinen unberührten Wäldern, in bunten Farben abgebildet. Wer könnte es nun wagen, so eine gottgewollte Ordnung zu ändern? Allein dies auszusprechen, scheint wider die Relativitätstheorie und das 1. Newtonsche Gesetz.
Abgesehen davon, dass Veränderung niemals sein darf, birgt dieser Gedanke noch eine andere Botschaft, die in der deutschen Politik vollkommen fremd - und mithin verständlicherweise auch von der Öffentlichkeit schwer zu akzeptieren ist: Warum nicht einmal etwas anderes ausprobieren, als dem Bürger etwas wegzunehmen? Die aktuelle Debatte um die Erbschaftssteuer zeigt plastisch, dass man sich alle Innovationen sparen kann, solange man noch Bürger findet, die etwas auf der hohen Kante haben. Und da Multimilliardäre mit ihren gewaltigen Gärtnereien, Glasereien und Kfz-Werkstätten und ihren 19 Mitarbeiten eh keiner mag, ist dies auch ein schönes Wahlkampfthema. Getreu dem Grundsatz ,,Aus dem Weg Kapitalisten, die letzte Schlacht gewinnen wir" - Rio Reiser und R.P.S. Lanrue haben einfach zu gut getexted.
Der Gedanke, dass sich dahingegen der Staat mal bewegen und umorganisieren könnte erscheint da verständlicherweise absurd. Dankenswerterweise haben bereits alle erleichtert festgestellt, dass es vollkommen ausgeschlossen ist, dass eine solche Reform auch nur einen Cent an Ersparnis bringt. Puh - Glück gehabt. Doch auch vom Sport allein nimmt man nicht ab, aber ohne ihn nützt auch die beste Diät nichts. Zudem wäre es wider die Natur und das schlimmste überhaupt, wenn die West-Bundesbürger einmal das machen müssten, was alle Ost-Bundesbürger schon einmal erleben mussten.
Natürlich birgt der Södersche Vorschlag auch Risiken: Hannover gehörte unter Georg I. von 1714 bis 1837 ganze 123 Jahre lang zu Großbritannien. Nun könnten sich die Nieder-Sachsen, die das Angel-Sachsen bereits stolz halb im Namen tragen, in einem letzten Akt bundesländischer Souveränität dem Zugriff Berlins entziehen und sich der britischen Krone anschließen. Seine königliche Hoheit König Charles der III. wäre sicherlich amused hierüber. Die Sennheisers, Rossmanns und Schaefflers würden sich neue Märkte erschließen. Hannover 96 könnte auf ganz andere Ressourcen zurückgreifen. Und Altkanzler Schröder wäre die Querelen mit seiner etwas humorbefreiten Partei los - war die Zigarre doch in Wirklichkeit kein Hinweis auf Ludwig Erhard, sondern auf Winston Churchill. Durchaus real wäre zudem die Gefahr, dass auch Wattenscheid zweifelsohne die Gunst der Stunde nutzen würde, der bescheidene Autor dieser Zeilen hatte bereits mehrfach davor gewarnt. Im allgemeinen Trubel könnte es sich nicht nur von Bochum befreien, sondern gleich als eigenes Bundesland, oder natürlich viel wahrscheinlicher, eigenständiger Staat mit Sitz in der UN-Hauptversammlung und temporärem Sitz im Sicherheitsrat endlich frei sein. Vertrauliche Gespräche mit katalanischen Kreisen finden angeblich bereits in Andorra statt.
Aber abgesehen von solchen Zankereien um den besten Platz auf dem Katzenkratzbaum: Die ganze Welt ändert sich gerade. Und wir Europäer? Wir schauen nur zu beim großen Tennismatch, anstatt mit Augenmaß auch mal zu agieren, statt zu reagieren. Zumindest übungshalber in unserem eigenen Sprengel. Denn - nur wer sich ändert, bleibt sich treu.
19.01.2026
Alexander Kira hat über internationalen Menschenrechtsschutz provomiert und ist Jurist, Moderator und Kabarettist. Er lebt und schreibt im Herzen von Berlin.
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