Wer ist hier der Demokratiefeind?
Zensur-Fetisch-Fantasien und klar definierte Feindbilder passen nur bedingt zusammen - zumindest dann, wenn man Daniel Günthers Aussagen so versteht, wie es diverse Journalistenverbände, mehrere renommierte Journalisten und Juristen sowie Marion Horn, ihres Zeichens amtierende BILD-Chefin, tun.
von Nina Kirsch
von Nina Kirsch
Noch problematischer als die ohnehin shitstormwürdige Entgleisung von Daniel Günther ist seine Position. Der Mann ist amtierender Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und dürfte durchaus höhere Karriereziele verfolgen. Tatsächlich war er bei Lanz aber nicht als schwurbelnder Privatmensch eingeladen, sondern als Ministerpräsident. Und als solcher ist er per Amt nun einmal ein Verfassungsorgan.
Genau deshalb reichte das Online-Portal NIUS Klage beim Verwaltungsgericht Flensburg ein. Denn ein Staat hat inhärent keine Grundrechte. Grundrechte dienen dem Schutz der Bürger vor dem Staat. Wenn sich ein staatliches Verfassungsorgan herablassend über Bürger äußert, die genau diese Grundrechte genießen, ist das nach Auffassung etlicher Juristen rechtswidrig. Dass Daniel Günther ein derartiges Denkmuster verfolgt, ist skandalös und zeigt, wie ungeeignet er für seinen Posten ist. ,,Kiel Jong Un" und seine wirren Forderungen irritieren zu Recht und sollten uns alle wachrütteln. Käme eine solche Forderung aus dem Mund eines AfD-Politikers, wären die Rücktrittsrufe ohrenbetäubend laut.
Denn man muss NIUS weder lesen noch gut finden. Dem Portal aber sein Existenzrecht wegen unliebsamer Berichterstattung abzusprechen, ist autoritär - ja, faschistoid. Aber so ist das mit Ideologien.
Doch zurück zum eigentlichen Thema:
Was ist in der sagenumwobenen Lanz-Sendung wirklich geschehen?
Nun, Daniel Günther forderte - wie sich der geneigte Leser inzwischen wohl schon zusammengereimt hat - ein Verbot unliebsamer Presse. Als Regierungsvertreter sollte Günther eigentlich wissen, dass das Zensurverbot zu den Grundpfeilern unserer Verfassung gehört. Upsi.
Diese Forderung schockierte selbst den erfahrenen Showmaster Markus Lanz derart, dass er sofort nachhakte. O-Ton Lanz:
,,Was Sie jetzt gerade sagen, ist im Grunde: Wir müssen das regulieren, wir müssen das notfalls sogar verbieten?"
Darauf Günther: ,,Ja." Es folgte eine kleine, strategisch gut platzierte Schnittpause. Anschließend versuchte Günther, seinen faschistoiden Fauxpas auf das Thema Social Media umzudeuten. Inhaltlich ergab das jedoch keinen Sinn mehr. Der Shitstorm nahm seinen Lauf - und Lanz ebenso. Allerdings einen äußerst aggressiven, unseriösen und im Grunde völlig unjournalistischen. Denn in der darauffolgenden Sendung attackierte er, wie könnte es bei den seit Corona bekannten Lanz Tribunalen anders sein, die leichte Zielscheibe: Beatrix von Storch.
Dabei log er. Er ließ Ausschnitte verfremdet einspielen, redete ihr permanent ins Wort, unterbrach sie dominant und behauptete, das alles habe sich nie so zugetragen. Er, Lanz, wisse schließlich genau, was Günther gesagt und - angeblich - gemeint habe. Man darf hier durchaus von Gaslighting sprechen.
Fast in alter Stasi-Manier fragte er die sichtlich perplexe von Storch, wo sie diesen angeblich nicht existierenden Clip gesehen habe.
NIUS? NIUS? NIUS? NIUS??? Ironischerweise sammelte die sonst so unsympathische AFD Politikerin Beatrix von Storch als Opfer dieser unfairen Attacke Sympathie- und Solidarpunkte. Lanz betrieb erneut - sicher unfreiwillig - AfD-Werbung. Lanz, der von Storch, NIUS und ,,das freien Internet" demontieren wollte, demontierte am Ende vor allem sich selbst. So ist das mit einer narzisstischen Hybris.Allerdings hatte man nicht mit einem noch größeren Medienakteur gerechnet. Denn nun betrat Julian Reichelt, ehemaliger BILD-Chefredakteur und heutiger Geschäftsführer von NIUS, den medialen Ring. Und Reichelt brach mit einem ungeschriebenen Konsens unter Medienschaffenden: Er legte offen - belegt durch Screenshots und Interviews -, dass Markus Lanz ihn direkt nach der Günther-Sendung angerufen hatte, um sein Entsetzen über Günthers Aussagen zum Ausdruck zu bringen.
Damit ist nun evident: Der ZDF-Millionär mit einem fürstlichen Jahresgehalt von rund 1,9 Millionen Euro hatte gelogen. Das offenbart seinen Charakter und seine mangelnde Professionalität - ist aber noch nicht das eigentliche Politikum.
Denn wenn ein Moderator der Öffentlich-Rechtlichen die Aussagen eines Politikers aktiv herunterspielt, andere Gäste dafür böswillig attackiert und den Zuschauern einredet, sie hätten nie etwas gesehen und gehört, was jedoch gesagt worden sei, dann muss man sich ernsthaft fragen, inwiefern sich Lanz - und der öffentlich-rechtliche Rundfunk insgesamt - der Politik andient.
Lanz hatte Günthers Aussagen sehr wohl richtig verstanden. Das zeigen sowohl seine Reaktion in der Sendung als auch sein Anruf bei Reichelt. Er erkannte die Brisanz - wie alle Zuschauer auch.Was besonders schade ist und im Getöse der längst zum Haifischbecken verkommenen Medienbranche untergeht, ist der eine Punkt, der tatsächlich diskussionswürdig gewesen wäre: Daniel Günthers Forderung nach einem Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. Diese Forderung sollte man zum Schutz unserer Kinder partei- und medienübergreifend ernsthaft diskutieren. Doch da uns Diskursfähigkeit und Streitkultur weitgehend abhandengekommen sind, wird es wohl nur bei einer Forderung bleiben.
Dabei sollten Minderjährige angesichts dessen, was erwachsene Männer wie Lanz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vorleben - oder was ambitionierte X-User täglich ins Netz kippen -, tatsächlich so lange wie möglich geschützt werden. Aber das wäre Stoff für einen weiteren Artikel.
Einen über das "mediale Stadtbild."
Die Stadtbild-Debatte hatte Lanz übrigens einst von NIUS übernommen.
Mal wieder.
20.01.26
von Nina Kirsch
Ich bin alleinerziehende Mutter eines kleinen Engels, arbeite seit über 10 Jahren international als Model, studiere nebenbei am Wochenende Gesundheitspsychologie, arbeite als Unternehmerin und bin ehrenamtliche Richterin in Berlin.
Genau deshalb reichte das Online-Portal NIUS Klage beim Verwaltungsgericht Flensburg ein. Denn ein Staat hat inhärent keine Grundrechte. Grundrechte dienen dem Schutz der Bürger vor dem Staat. Wenn sich ein staatliches Verfassungsorgan herablassend über Bürger äußert, die genau diese Grundrechte genießen, ist das nach Auffassung etlicher Juristen rechtswidrig. Dass Daniel Günther ein derartiges Denkmuster verfolgt, ist skandalös und zeigt, wie ungeeignet er für seinen Posten ist. ,,Kiel Jong Un" und seine wirren Forderungen irritieren zu Recht und sollten uns alle wachrütteln. Käme eine solche Forderung aus dem Mund eines AfD-Politikers, wären die Rücktrittsrufe ohrenbetäubend laut.
Denn man muss NIUS weder lesen noch gut finden. Dem Portal aber sein Existenzrecht wegen unliebsamer Berichterstattung abzusprechen, ist autoritär - ja, faschistoid. Aber so ist das mit Ideologien.
Doch zurück zum eigentlichen Thema:
Was ist in der sagenumwobenen Lanz-Sendung wirklich geschehen?
Nun, Daniel Günther forderte - wie sich der geneigte Leser inzwischen wohl schon zusammengereimt hat - ein Verbot unliebsamer Presse. Als Regierungsvertreter sollte Günther eigentlich wissen, dass das Zensurverbot zu den Grundpfeilern unserer Verfassung gehört. Upsi.
Diese Forderung schockierte selbst den erfahrenen Showmaster Markus Lanz derart, dass er sofort nachhakte. O-Ton Lanz:
,,Was Sie jetzt gerade sagen, ist im Grunde: Wir müssen das regulieren, wir müssen das notfalls sogar verbieten?"
Darauf Günther: ,,Ja." Es folgte eine kleine, strategisch gut platzierte Schnittpause. Anschließend versuchte Günther, seinen faschistoiden Fauxpas auf das Thema Social Media umzudeuten. Inhaltlich ergab das jedoch keinen Sinn mehr. Der Shitstorm nahm seinen Lauf - und Lanz ebenso. Allerdings einen äußerst aggressiven, unseriösen und im Grunde völlig unjournalistischen. Denn in der darauffolgenden Sendung attackierte er, wie könnte es bei den seit Corona bekannten Lanz Tribunalen anders sein, die leichte Zielscheibe: Beatrix von Storch.
Dabei log er. Er ließ Ausschnitte verfremdet einspielen, redete ihr permanent ins Wort, unterbrach sie dominant und behauptete, das alles habe sich nie so zugetragen. Er, Lanz, wisse schließlich genau, was Günther gesagt und - angeblich - gemeint habe. Man darf hier durchaus von Gaslighting sprechen.
Fast in alter Stasi-Manier fragte er die sichtlich perplexe von Storch, wo sie diesen angeblich nicht existierenden Clip gesehen habe.
NIUS? NIUS? NIUS? NIUS??? Ironischerweise sammelte die sonst so unsympathische AFD Politikerin Beatrix von Storch als Opfer dieser unfairen Attacke Sympathie- und Solidarpunkte. Lanz betrieb erneut - sicher unfreiwillig - AfD-Werbung. Lanz, der von Storch, NIUS und ,,das freien Internet" demontieren wollte, demontierte am Ende vor allem sich selbst. So ist das mit einer narzisstischen Hybris.Allerdings hatte man nicht mit einem noch größeren Medienakteur gerechnet. Denn nun betrat Julian Reichelt, ehemaliger BILD-Chefredakteur und heutiger Geschäftsführer von NIUS, den medialen Ring. Und Reichelt brach mit einem ungeschriebenen Konsens unter Medienschaffenden: Er legte offen - belegt durch Screenshots und Interviews -, dass Markus Lanz ihn direkt nach der Günther-Sendung angerufen hatte, um sein Entsetzen über Günthers Aussagen zum Ausdruck zu bringen.
Damit ist nun evident: Der ZDF-Millionär mit einem fürstlichen Jahresgehalt von rund 1,9 Millionen Euro hatte gelogen. Das offenbart seinen Charakter und seine mangelnde Professionalität - ist aber noch nicht das eigentliche Politikum.
Denn wenn ein Moderator der Öffentlich-Rechtlichen die Aussagen eines Politikers aktiv herunterspielt, andere Gäste dafür böswillig attackiert und den Zuschauern einredet, sie hätten nie etwas gesehen und gehört, was jedoch gesagt worden sei, dann muss man sich ernsthaft fragen, inwiefern sich Lanz - und der öffentlich-rechtliche Rundfunk insgesamt - der Politik andient.
Lanz hatte Günthers Aussagen sehr wohl richtig verstanden. Das zeigen sowohl seine Reaktion in der Sendung als auch sein Anruf bei Reichelt. Er erkannte die Brisanz - wie alle Zuschauer auch.Was besonders schade ist und im Getöse der längst zum Haifischbecken verkommenen Medienbranche untergeht, ist der eine Punkt, der tatsächlich diskussionswürdig gewesen wäre: Daniel Günthers Forderung nach einem Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. Diese Forderung sollte man zum Schutz unserer Kinder partei- und medienübergreifend ernsthaft diskutieren. Doch da uns Diskursfähigkeit und Streitkultur weitgehend abhandengekommen sind, wird es wohl nur bei einer Forderung bleiben.
Dabei sollten Minderjährige angesichts dessen, was erwachsene Männer wie Lanz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vorleben - oder was ambitionierte X-User täglich ins Netz kippen -, tatsächlich so lange wie möglich geschützt werden. Aber das wäre Stoff für einen weiteren Artikel.
Einen über das "mediale Stadtbild."
Die Stadtbild-Debatte hatte Lanz übrigens einst von NIUS übernommen.
Mal wieder.
20.01.26
von Nina Kirsch
Ich bin alleinerziehende Mutter eines kleinen Engels, arbeite seit über 10 Jahren international als Model, studiere nebenbei am Wochenende Gesundheitspsychologie, arbeite als Unternehmerin und bin ehrenamtliche Richterin in Berlin.
Schreibe einen Kommentar
Seite teilen
