Berlin tappt im Dunkeln

Berlin tappt im Dunkeln

Seit drei Tagen nun feiert man im Berliner Südwesten Energiespartage. Allerdings nicht ganz freiwillig. Nach aktuellem Stand der Ermittlung war die linksextreme Vulkan-Gruppe erfolgreich darin, den Berlinern ein paar neue Gedenktage beizubringen.

von Wätzold Plaum.
Worum kreisen die Gedanken der Kultureliten? Die Berliner taz schaffte es über das Ereignis wie über eine Naturkatastrophe zu schreiben - inklusive abschließender Ratschläge für das Anlegen von Vorräten. Diagnostiziert das rechts-alternative Lager hier einen blinden Fleck, trifft es einen Punkt.

Es muss klar benannt werden: Bei dem Berliner Anschlag handelt es sich um einen verabscheuungswürdigen Akt des Terrorismus. Auch wenn es vordergründig ,,nur" um einen Eigentumsdelikt geht, darf man nicht übersehen: Bei solchen Taten werden mithin Tote in Kauf genommen, zum Beispiel wenn das Notstromaggregat eines Krankenhauses nicht rechtzeitig anspringt. Und wir sehen auch, dass sich in den letzten Jahren - weitgehend im Windschatten der öffentlichen Aufmerksamkeit - linksterroristische Strukturen heraus gebildet haben, die langfristig, ja strategisch operieren.

Dazu kommt: Es lässt sich nicht auszuschließen, dass hier auch ausländische Geheimdienste mitmischen. Russland hätte dafür ausreichend Motive. Vor diesem Hintergrund verwundert es, dass die Behörden noch keine Razzien in der linksextremen Szene Berlins durchgeführt haben. Das kann nur bedeuten, dass die entsprechenden Behörden es in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt haben, das linksextreme Millieu geheimdienstlich aufzuklären. V-Leute scheinen der "Vulkan-Gruppe" bislang jedenfalls wohl noch nicht nahe gekommen zu sein.

Politische Farbenblindheit bei der Bekämpfung von Terrorismus schadet der Öffentlichkeit mehr als der eine oder andere unflätige Kommentar auf X. Vielleicht sollte man sich staatlicherseits wieder mehr darauf fokussieren, Extremismus auch dort zu bekämpfen, wo er offensichtlich ist: Wo in Selbstjustiz politische Ziele mit Gewalt durchgesetzt werden sollen.

06.01.26
Wätzold Plaum ist studierter Physiker mit einer Promotion im Fach Mathematik und einer zweiten in Philoosphie. 2012 erschien politisches Sachbuch ,,die Wiki-Revolution. Absturz und Neustart der westlichen Demokratie", sowie 2022 mit dem ,,Manifest der Radikalen Mitte" eine positive Akzentuierung des politischen Zentrismus. Er betreibt den YouTube-Kanal ,,Wätzolds Welt" und betätigt sich als Musiker.
Schreibe einen Kommentar
Datenschutzhinweis