Moralspektakel und Shitstorms: Wie Empörung die Unschuldsvermutung ersetzt
Was als Moral verkauft wird, ist oft nichts anderes als öffentliche Vorverurteilung.
Es ist mittlerweile schon ein Distinktionsmerkmal geworden, sich bei einem Moralspektakel nicht zu äußern. Wer bei den heute oft völlig enthemmten Shitstorms nicht mitmacht, offenbart seinen Ethos und seinen Kompass. Dieser mag moralischer sein als der der scheinheilig Empörten, der nach Aufmerksamkeit lechzenden Meute.
von Nina Kirsch
Es ist mittlerweile schon ein Distinktionsmerkmal geworden, sich bei einem Moralspektakel nicht zu äußern. Wer bei den heute oft völlig enthemmten Shitstorms nicht mitmacht, offenbart seinen Ethos und seinen Kompass. Dieser mag moralischer sein als der der scheinheilig Empörten, der nach Aufmerksamkeit lechzenden Meute.
von Nina Kirsch
Bei einigen Kommentatoren, wie der Spiegel-Bestsellerautorin Leonie Plaar, verspürt man einen regelrechten Blutrausch. Dass dabei diverse Straftatbestände wie z. B. Volksverhetzung erfüllt werden, mag nebensächlich sein. Aus einem Milieu, in dem es sonst reflexartig heißt ,,Silence bedeutet Zustimmung", kommt keine Kritik. Überhaupt ist Kritik grundsätzlich nicht mehr erwünscht.
Denn das Milieu setzt online auf Einschüchterung statt auf Argumente. Dann wird dem Kritiker - egal wie berechtigt und vorsichtig die Kritikpunkte geäußert werden - nichts Geringeres als Täterschutz vorgeworfen. Aber wer ist hier der Täter? Oder sind es gar Täterinnen?
Abstruse Aussagen wie ,,All men ..." weisen faschistische Merkmale auf. Menschen basierend auf ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrem Geschlecht pauschal zu verurteilen und dann im Kollektiv darauf basierende menschenfeindliche Maßnahmen wie eine öffentliche, mediale Hinrichtung zu vollziehen, offenbart tiefe Abgründe und zeigt, wie affin Gruppierungen noch immer für faschistische Denkmuster sind.
So wird mittels totalitärer Kampfmechanismen aus vermeintlichen Opferschützern eine bluthungrige Tätergruppe.
Vom Land der Dichter und Denker zum Land der Richter und Henker. Alles online - und doch reale Gewalt, die zukünftig genauso hart wie echte bestraft werden soll, wie Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig unlängst kolportierte.
Ob die jeweiligen Vorwürfe dabei zutreffend sind, ist nebensächlich. Denn wird die Unschuldsvermutung von einem wildgewordenen, barbarischen Online-Mob ausgehebelt, verlieren wir eine der größten zivilisatorischen Errungenschaften.
Die inszenierte Moral führt nicht nur zu billigem Populismus und hektischer Symbolpolitik, sondern geradewegs zur Lynchjustiz.
Dabei werden Opfer in unserer Gesellschaft, die sich zunehmend zu einer Opferkultur entwickelt, so viel beachtet wie noch nie zuvor. Opferkultur bedeutet, dass nicht mehr ausschließlich Strafverfolgungsbehörden, sondern eine unqualifizierte und enthemmte Öffentlichkeit richtet.
Betroffene, wie die Autorin selbst, dürfen und können auf Zeitschriftencovern, in Büchern, Talkshows und Kampagnen sowie ungehindert auf Social Media von ihrem Leid berichten. Die Unterstützer sind dabei oft Männer. Einfühlsam wird nachgefragt. Man möchte die Mechanismen hinter Gewaltstrukturen verstehen und die Öffentlichkeit aufklären.
Unsere Gesellschaft ist im Allgemeinen sensibler und offener für Diskriminierungen jeglicher Couleur geworden. Das ist zweifelsohne ein großartiger Status quo.
Aber wird diese grundsätzlich positive Entwicklung durch Shitstorms gefördert? Augenscheinlich nicht.
Denn es geht bei diesem moralischen Narzissmus nicht um echte Opfer und deren Rechte, sondern um Dominanz und Prestige einer Nomenklatur von sogenannten Allgemein-Aktivisten, vornehmlich aus dem linken Milieu.
Schade, denn so verkennt man, dass Männer nicht per se das Problem sind, sondern Täter und Täterinnen. Hierzu benötigt es ein Mindestmaß an Differenzierung statt der ewigen hypermoralischen Pauschalisierung.
Ein weitsichtigerer Ansatz: allen Betroffenen - und nicht nur denen, bei denen der vermeintliche Täter prominent und somit kampagnengeeignet ist - ruhig zuzuhören und Opfer realer physischer Gewalt nicht auszublenden, zu relativieren oder in der berechtigten Debatte über virtuelle Gewalt zu verdrängen.
So wäre kein Betroffener und keine Betroffene mehr allein. Das wäre echte Solidarität.
26.03.26
von Nina Kirsch
Ich bin alleinerziehende Mutter eines kleinen Engels, arbeite seit über 10 Jahren international als Model, studiere nebenbei am Wochenende Gesundheitspsychologie, arbeite als Unternehmerin und bin ehrenamtliche Richterin in Berlin.
Denn das Milieu setzt online auf Einschüchterung statt auf Argumente. Dann wird dem Kritiker - egal wie berechtigt und vorsichtig die Kritikpunkte geäußert werden - nichts Geringeres als Täterschutz vorgeworfen. Aber wer ist hier der Täter? Oder sind es gar Täterinnen?
Abstruse Aussagen wie ,,All men ..." weisen faschistische Merkmale auf. Menschen basierend auf ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrem Geschlecht pauschal zu verurteilen und dann im Kollektiv darauf basierende menschenfeindliche Maßnahmen wie eine öffentliche, mediale Hinrichtung zu vollziehen, offenbart tiefe Abgründe und zeigt, wie affin Gruppierungen noch immer für faschistische Denkmuster sind.
So wird mittels totalitärer Kampfmechanismen aus vermeintlichen Opferschützern eine bluthungrige Tätergruppe.
Vom Land der Dichter und Denker zum Land der Richter und Henker. Alles online - und doch reale Gewalt, die zukünftig genauso hart wie echte bestraft werden soll, wie Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig unlängst kolportierte.
Ob die jeweiligen Vorwürfe dabei zutreffend sind, ist nebensächlich. Denn wird die Unschuldsvermutung von einem wildgewordenen, barbarischen Online-Mob ausgehebelt, verlieren wir eine der größten zivilisatorischen Errungenschaften.
Die inszenierte Moral führt nicht nur zu billigem Populismus und hektischer Symbolpolitik, sondern geradewegs zur Lynchjustiz.
Dabei werden Opfer in unserer Gesellschaft, die sich zunehmend zu einer Opferkultur entwickelt, so viel beachtet wie noch nie zuvor. Opferkultur bedeutet, dass nicht mehr ausschließlich Strafverfolgungsbehörden, sondern eine unqualifizierte und enthemmte Öffentlichkeit richtet.
Betroffene, wie die Autorin selbst, dürfen und können auf Zeitschriftencovern, in Büchern, Talkshows und Kampagnen sowie ungehindert auf Social Media von ihrem Leid berichten. Die Unterstützer sind dabei oft Männer. Einfühlsam wird nachgefragt. Man möchte die Mechanismen hinter Gewaltstrukturen verstehen und die Öffentlichkeit aufklären.
Unsere Gesellschaft ist im Allgemeinen sensibler und offener für Diskriminierungen jeglicher Couleur geworden. Das ist zweifelsohne ein großartiger Status quo.
Aber wird diese grundsätzlich positive Entwicklung durch Shitstorms gefördert? Augenscheinlich nicht.
Denn es geht bei diesem moralischen Narzissmus nicht um echte Opfer und deren Rechte, sondern um Dominanz und Prestige einer Nomenklatur von sogenannten Allgemein-Aktivisten, vornehmlich aus dem linken Milieu.
Schade, denn so verkennt man, dass Männer nicht per se das Problem sind, sondern Täter und Täterinnen. Hierzu benötigt es ein Mindestmaß an Differenzierung statt der ewigen hypermoralischen Pauschalisierung.
Ein weitsichtigerer Ansatz: allen Betroffenen - und nicht nur denen, bei denen der vermeintliche Täter prominent und somit kampagnengeeignet ist - ruhig zuzuhören und Opfer realer physischer Gewalt nicht auszublenden, zu relativieren oder in der berechtigten Debatte über virtuelle Gewalt zu verdrängen.
So wäre kein Betroffener und keine Betroffene mehr allein. Das wäre echte Solidarität.
26.03.26
von Nina Kirsch
Ich bin alleinerziehende Mutter eines kleinen Engels, arbeite seit über 10 Jahren international als Model, studiere nebenbei am Wochenende Gesundheitspsychologie, arbeite als Unternehmerin und bin ehrenamtliche Richterin in Berlin.
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siehe hier:
https://www.youtube.com/watch?v=HUGFPDIG3s4
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Die Debatte in der Causa Fernandes hätte konstruktiv werden können – ganz unabhängig davon, was mit Fernandes’ Anzeige gegen Ulmen passiert. Themen, die alle betreffen, wie Identitätsdiebstahl, Plattformregulierung, sexuelle Gewalt und Behördenversagen, hätten sachlich, ohne Ideologie und allgemeingültig diskutiert werden können. Stattdessen wird der Fall Fernandes vs. Ulmen in TV-Talks und Social-Media-Clips zum Moraltest: Auf welcher Seite stehst du? Wer schweigt, macht sich mitschuldig. Genau dieser Druck, sich zu positionieren – befeuert von Algorithmen und linken wie rechten Medien – treibt unsere gesellschaftliche Spaltung voran. Dazu kommen noch Leute, die einfach die ganze Situation auf Social Media ausnutzen, um sich an der Aufmerksamkeit noch zu bereichern. Deswegen wird das alles – nach den Empörungswellen – wieder abebben. Veränderungen? Vermutlich nicht, es wird wie bisher weitergehen und das ist schade. Eine verpasste Chance.
Danke