Wollt ihr den totalen Krieg?
Noch nie war Propaganda so billig, so schnell und so wirkungsvoll wie heute. Benötigte es im Dritten Reich noch ein ganzes Propagandaministerium, reicht heute ein Smartphone. Sehen wir uns die mediale und politische Lage an und was darin propagiert wird, kommen wir nicht umhin, zu fragen: Wollen wir Krieg?
von Daniel Nuber
von Daniel Nuber
Eine meisterhafte Anleitung über Propaganda schuf Edward Bernays im Jahr 1928 mit seinem Buch ,,Propaganda." Ausführlich beschreibt er darin, wie die breite Masse manipuliert werden kann. In erster Linie müssten tiefgreifende Gefühle angesprochen werden, keine Fakten - Ängste, Sorgen, das Streben nach körperlicher und geistiger Unversehrtheit und das Zugehörigkeitsgefühl. Die Mechanismen, die Edward Bernays beschrieb, fanden später auch im nationalsozialistischen Propagandaapparat Anwendung. Nationalsozialisten griffen wesentliche Teile daraus auf, um Stimmung gegen Juden, Andersdenkende und Menschen zu machen, die aus anderen Gründen nicht in das arische Weltbild passten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Begriff Propaganda deshalb negativ konnotiert. Wohlgemerkt: Der Begriff. Propaganda selbst hat nie aufgehört. Im Westen hergestellte Propaganda nennen wir heute Werbung, Marketing, Public Relations oder Informationskampagnen. An und für sich genommen ist die Ersetzung der nun negativ besetzten Bezeichnung der Propaganda auch Propaganda, immerhin will Ihnen jemand weiß machen, dass Sie nicht mehr zu einem bestimmten Zweck manipuliert werden, um Sie so leichter manipulieren zu können.
Über viele Jahrzehnte hinweg wurden wir überwiegend von Wirtschaftspropaganda manipuliert. Zigarettenhersteller etwa, die mit bezahlten Studien erklärten, dass der Konsum von Tabak gesundheitsförderlich sei. Auch der Hersteller einer bekannten Schokoladencreme machte uns weiß, dass diese zu einem guten, ausgewogenen Frühstück gehöre, ebenso wie Cornflakes. Dass das im Grunde nur eine Pampe aus Zucker, billigem Fett und Geschmacksverstärkern ist, die allenfalls gelegentlich und sicher nicht ständig gegessen werden sollte, verschwieg der Produzent natürlich. Und der Kunde kauft. Denn er denkt ja, das gehöre zum Frühstück dazu.
Nun macht Propaganda keinen Halt bei Drogen oder Nahrungsmitteln. Ein Geschäft stellte schon immer alle anderen in den Schatten: Krieg. In den letzten Jahren entstand eine beachtliche und vor allem beängstigende Propagandamaschinerie, von dessen Größenordnung der NS-Propagandaminister Goebbels wohl nur hätte träumen können. Waren früher viele Millionen Dollar nötig, um Tom Cruise in Top Gun einen heroischen Piloten spielen zu lassen, der allein dadurch für eine größere Zustimmung beim US-Militär und steigende Rekrutierungszahlen sorgen konnte, reicht heute ein internetfähiges Endgerät. Material ist überall da - aus früheren oder aktuellen Kriegen und inzwischen auch von KI generiert. Effektive Propagandisten mischen heute echte und erfundene Inhalte und lassen virtuelle Krisen entstehen, die es so überhaupt nicht gibt und manipulieren so Menschen, die die erfundenen Krieg dann entweder Wirklichkeit werden lassen oder zumindest breitwillig mitmachen. In Deutschland, so scheint es, haben wir allmählich auch wieder große Lust darauf, in einen Krieg einzusteigen.
Kaum anders ist zu erklären, weshalb fleißig Kriegs- und Militärpropaganda betrieben wird. Spätestens seit Verteidigungsminister Pistorius erklärte, dass die Bundeswehr wieder ,,kriegstüchtig" werden müsse, stehen die Zeiger darauf, die Kriegsbereitschaft der Deutschen wieder zu erhöhen - mal mehr, mal weniger offensichtlich. Sehr offensichtlich etwa war die Kriegspropagandashow von Markus Lanz am 04.03.2026. Darin griffen die drei Pro-Militaristen Marius Lange, Kerry Hoppe und Léocadie Reimers den einzigen Pazifisten in der Gruppe, Ole Nymoen, an und versuchten ihm und insbesondere den Zuschauern zu erklären, dass Krieg doch eigentlich gar nicht so schlimm sei. Nymoen entgegnete, dass er zu fliehen versuchen würde, käme es hierzulande zu einer militärischen Auseinandersetzung, und dass er nicht bereit sei, für Deutschland zu sterben. Bei den anderen Gesprächsteilnehmern löste das Widerstand aus. Als Nymoen gefragt wird, woher seine Abneigung gegen Kriege denn stamme, immerhin habe er noch nie an einem teilgenommen, bezog er sich auf Filme, Bücher und Erzählungen und wurde dafür ausgelacht.
Interessanterweise war keine der übrigen drei jemals im Krieg. Marius Lange ist minderjährig und hat noch nicht einmal den Grundwehrdienst absolviert. Die beiden Damen haben sich immerhin bei der Bundeswehr ausbilden lassen, aber auch unmittelbar danach woanders angeheuert - die eine ist Juristin, die andere arbeitet für eine Drohnenfirma (ein Schelm, wer hier Lobbyinteressen unterstellt). So überzeugt können zumindest die beiden Frauen von der Bundeswehr auch nicht sein. Vielleicht sind sie sich aber auch bewusst darüber, dass Krieg außerhalb des Übungsplatzes kein bisschen glamourös ist.
Bei einer Übung durch den Wald zu stapfen und so zu tun, als stünde die Truppe unter Beschuss, ist genau das: so tun, als ob. Mit Kameraden durch ein fremdes Land zu fahren, beschossen zu werden und selbst schießen zu müssen und dabei im Hinterkopf zu haben, nicht ganz vom Sinn und der Nachhaltigkeit der Mission überzeugt zu sein, ist ein gänzlich anderes Kaliber. Nun dürfen wir auch nicht so tun, als wäre die Bundeswehr eine reine Verteidigungsarmee. Als solche war sie angedacht und so wird sie auch verkauft, doch Deutschland beteiligte sich in der Vergangenheit schon mehrfach an Kriegen, die weder der Verteidigung dienten noch eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität in den betroffenen Ländern brachte. Wir erinnern uns an das Märchen der Demokratieverteidigung im Nahen und Mittleren Osten oder Einsätze in Afrika, die für die dortige Bevölkerung sogar Sinn gemacht hätten, um Genozide zu beenden - dazu hätte es aber ein Mandat gebraucht, das es nicht gab. Die Deutschen waren also zum Zuschauen dort. Möglicherweise könnte das daran gelegen haben, dass Afrika für vieles bekannt ist, aber sicher nicht für ein reiches Ölvorkommen oder wichtige Handelsrouten.
Das Soldatendasein scheint also auf ganzer Linie eher unbefriedigend. Nun bin ich mir bewusst darüber, dass ein Land eine Armee dringend benötigt, um Abschreckungswirkung zu entfalten und sich verteidigen zu können. Auch den damit zusammenhängenden Grundwehrdienst hielt und halte ich für richtig; nicht nur, um die Bundeswehr (als Verteidigungsinstrument) zu stärken, sondern um durch die Ersatzdienste das Gesundheits- und Sozialwesen zu unterstützen. Viele Menschen sind durch ihren Zivildienst erst zur Pflege oder den Rettungsdienst gekommen, haben Gefallen darin gefunden und sind geblieben. Es muss aber klar sein, dass diejenigen, die sich möglicherweise sogar für eine Verpflichtung bei der Bundeswehr entscheiden, nicht zu Spielfiguren werden, die dann nicht mehr nur zur Landesverteidigung eingesetzt werden, sondern um Demokratiebomben in Drittstaaten zu werfen - mit völlig unabsehbaren Folgen für Europa.
Diese Klarheit sehe ich nicht mehr - ganz im Gegenteil. Es wird zunehmend klarer, wohin die Reise führen soll. Dass Pistorius offen von ,,Kriegstüchtigkeit" und nicht mehr von ,,Wehrtüchtigkeit" spricht und - was noch viel aussagekräftiger ist - praktisch keinen Widerspruch erntet, ist richtungsweisend. Hinzu kommen propagandistische Sendungen wie die von Lanz, die Propaganda über Russland, das uns in den nächsten Jahren angreifen solle - wobei völlig ignoriert wird, dass die Russen bereits in der Ukraine kaum vorankommen, das mit der militärischen Stärke der EU/NATO überhaupt nicht vergleichbar ist - und schlussendlich auch Self-Made-Propaganda von Menschen, deren Tun das Ergebnis ihres eigenen unentdeckten Propagandakonsums ist.
Die Konsequenzen daraus sind echt. Sehen Sie sich gerne das ein oder andere Kriegsvideo in den Sozialen Medien an - der Algorithmus wird Sie schnell damit zumüllen. Sie werden bald glauben, dass an jeder Ecke Soldaten lauern und wir kurz vor einer völligen Eskalation stehen. Je mehr Sie davon entdecken, umso mehr manifestiert sich diese Überzeugung und je überzeugter Sie sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie selbst glauben, etwas tun zu müssen. Das kann bedeuten, dass Sie militärische Interventionen gut zu finden beginnen - oder dass Sie befürworten, in nicht-demokratischen Ländern Demokratie etablieren zu wollen. ?Oder Sie kommen auf ganz andere wirre Ideen.
Haben Sie sich etwa gefragt, warum Greta Thunberg mitsamt ihrer Anhängerschaft auf die Idee kam, mit ihrer Terror-Flotilla nach Gaza fahren zu wollen, um dort drei Dosen Ravioli und fünf Liter Wasser vorbeizubringen? Propaganda ist die Antwort. Sie sind durch Soziale Medien derart hirngewaschen worden, dass sie tatsächlich meinten, ungehindert in ein Kriegsgebiet vordringen zu können, dort mit ihrer Mini-Lieferung einen Unterschied machen zu können und dass das die Machthaber dieser Welt wirklich interessiert. Das ist ein Mangel an Rationalität, der in Worte nicht zu fassen ist. Der Vorgang als solcher ist aber auch Propaganda, denn die Inszenierung der gesamten Reise animierte wiederum andere Menschen dazu, weiter in Antisemitismus und Verschwörungstheorien abzudriften, die dann ihrerseits wieder propagandistische Inhalte produzieren. Ein Teufelskreis.
Eine folgerichtige Konsequenz der zunehmend hirngewaschenen Bevölkerung ist die Überlagerung in die Politik, wobei das freilich die Frage nach der Henne und dem Ei ist. Die europaweite Verrohung der Gesellschaft führt zur Spannung und Gewaltbereitschaft, die auch das Wahlverhalten beeinflussen. Gut für die, die die Zeichen der Zeit lesen können - also diejenigen, die Radikalität predigen statt Mäßigung, die Krieg wollen statt Frieden, die Probleme suchen, statt Lösungen zu erarbeiten. Deshalb sind auch populistische und radikale Parteien in Europa auf dem Vormarsch. Sie haben verstanden, dass ältere Wähler verängstigt sind und sich deshalb leicht steuern lassen und die jüngeren dank der Sozialen Medien permanent mit Katastrophenszenarien, Kriegen und Ungerechtigkeiten beschallt werden können, während Populisten gleichzeitig einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten. Wirtschaftliche Unsicherheit war historisch selten ein Zufall im Vorfeld von Konflikten - sondern oft ihr Nährboden. Die deutsche Wirtschaft schrumpft, das Geld wird immer weniger wert und die Waren gleichzeitig immer teurer. Spinnereien unseres großen Bruders, der im Iran was auch immer tut, die dann zu noch höheren Preisen und Verknappungen führen, tun ihr Übriges.
Die Antworten der deutschen Regierung auf die innerdeutsche Gesamtlage lässt allenfalls die Vermutung zu, dass die Bevölkerung auf Krieg eingestimmt werden soll. Denn die Teuerung wird mit Diskussionen über Steuererhöhungen und massive Kürzung der Sozialleistungen beantwortet, was nicht weniger bedeutet, als dass denjenigen, die aufgrund der Wirtschaftslage existenzielle Sorgen haben und deren Kaufkraft schwindet, noch mehr Kaufkraft genommen werden soll. Aus der Geschichte wissen wir, dass ein wesentlicher Faktor in der Entstehung von Kriegen die Perspektivlosigkeit ist - wenn, vor allem Männer, in ihrem Heimatland keine Perspektiven mehr sehen, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass ein Krieg begonnen oder zumindest befürwortet wird. Bei aller berechtigter Kritik am Kapitalismus: Kaufkraft und Wohlstand sind Garanten für Frieden.
Die Konsumfähigkeit der Bevölkerung durch zusätzliche Belastungen und Kürzungen künstlich zu verknappen, gleichzeitig massiv für das Militär zu werben, Ängste vor dem ja beinahe schon historischen Feind Russland zu schüren und immer wieder durch Propaganda zu insinuieren, dass Krieg ja eigentlich gar nicht so schlimm sei, ist ein beängstigender Zustand.
Während ich diesen Text verfasse, wurde bekannt, dass die Bundesregierung im Wehrpflichtgesetz einen entscheidenden Satz hat einfügen lassen:
,,Männliche Personen haben nach Vollendung des 17. Lebensjahres eine Genehmigung des zuständigen Karrierecenters der Bundeswehr einzuholen, wenn sie die Bundesrepublik Deutschland länger als drei Monate verlassen wollen (...). "
Die Genehmigung, so das Verteidigungsministerium, werde bis zur Aktivierung der Wehrpflicht grundsätzlich erteilt. Nun, was erteilt werden muss, kann auch abgelehnt werden. Bisher herrschte eine Genehmigungspflicht ausschließlich im Spannungs- oder Verteidigungsfall.
Subsumieren wir all diese Beobachtungen und Informationen, ist es, als führe all das zu einer alles entscheidenden Frage, die dereinst Goebbels gestellt hatte und die wir niemals wieder stellen wollten:
Wollt ihr den totalen Krieg?
09.04.26
©Daniel Nuber
In dem Buch "Rost, Weed und Rakija" beschreibt Daniel Nuber seine Reise durch den Balkan. Ansonsten ist er als Fachwirt Spezialisiert auf das Gesundheits- und Sozialwesen und betätigt sich als Autor, Video- und Fotograf.
HIER GEHTS ZUM NEUEN BUCH
Über viele Jahrzehnte hinweg wurden wir überwiegend von Wirtschaftspropaganda manipuliert. Zigarettenhersteller etwa, die mit bezahlten Studien erklärten, dass der Konsum von Tabak gesundheitsförderlich sei. Auch der Hersteller einer bekannten Schokoladencreme machte uns weiß, dass diese zu einem guten, ausgewogenen Frühstück gehöre, ebenso wie Cornflakes. Dass das im Grunde nur eine Pampe aus Zucker, billigem Fett und Geschmacksverstärkern ist, die allenfalls gelegentlich und sicher nicht ständig gegessen werden sollte, verschwieg der Produzent natürlich. Und der Kunde kauft. Denn er denkt ja, das gehöre zum Frühstück dazu.
Nun macht Propaganda keinen Halt bei Drogen oder Nahrungsmitteln. Ein Geschäft stellte schon immer alle anderen in den Schatten: Krieg. In den letzten Jahren entstand eine beachtliche und vor allem beängstigende Propagandamaschinerie, von dessen Größenordnung der NS-Propagandaminister Goebbels wohl nur hätte träumen können. Waren früher viele Millionen Dollar nötig, um Tom Cruise in Top Gun einen heroischen Piloten spielen zu lassen, der allein dadurch für eine größere Zustimmung beim US-Militär und steigende Rekrutierungszahlen sorgen konnte, reicht heute ein internetfähiges Endgerät. Material ist überall da - aus früheren oder aktuellen Kriegen und inzwischen auch von KI generiert. Effektive Propagandisten mischen heute echte und erfundene Inhalte und lassen virtuelle Krisen entstehen, die es so überhaupt nicht gibt und manipulieren so Menschen, die die erfundenen Krieg dann entweder Wirklichkeit werden lassen oder zumindest breitwillig mitmachen. In Deutschland, so scheint es, haben wir allmählich auch wieder große Lust darauf, in einen Krieg einzusteigen.
Kaum anders ist zu erklären, weshalb fleißig Kriegs- und Militärpropaganda betrieben wird. Spätestens seit Verteidigungsminister Pistorius erklärte, dass die Bundeswehr wieder ,,kriegstüchtig" werden müsse, stehen die Zeiger darauf, die Kriegsbereitschaft der Deutschen wieder zu erhöhen - mal mehr, mal weniger offensichtlich. Sehr offensichtlich etwa war die Kriegspropagandashow von Markus Lanz am 04.03.2026. Darin griffen die drei Pro-Militaristen Marius Lange, Kerry Hoppe und Léocadie Reimers den einzigen Pazifisten in der Gruppe, Ole Nymoen, an und versuchten ihm und insbesondere den Zuschauern zu erklären, dass Krieg doch eigentlich gar nicht so schlimm sei. Nymoen entgegnete, dass er zu fliehen versuchen würde, käme es hierzulande zu einer militärischen Auseinandersetzung, und dass er nicht bereit sei, für Deutschland zu sterben. Bei den anderen Gesprächsteilnehmern löste das Widerstand aus. Als Nymoen gefragt wird, woher seine Abneigung gegen Kriege denn stamme, immerhin habe er noch nie an einem teilgenommen, bezog er sich auf Filme, Bücher und Erzählungen und wurde dafür ausgelacht.
Interessanterweise war keine der übrigen drei jemals im Krieg. Marius Lange ist minderjährig und hat noch nicht einmal den Grundwehrdienst absolviert. Die beiden Damen haben sich immerhin bei der Bundeswehr ausbilden lassen, aber auch unmittelbar danach woanders angeheuert - die eine ist Juristin, die andere arbeitet für eine Drohnenfirma (ein Schelm, wer hier Lobbyinteressen unterstellt). So überzeugt können zumindest die beiden Frauen von der Bundeswehr auch nicht sein. Vielleicht sind sie sich aber auch bewusst darüber, dass Krieg außerhalb des Übungsplatzes kein bisschen glamourös ist.
Bei einer Übung durch den Wald zu stapfen und so zu tun, als stünde die Truppe unter Beschuss, ist genau das: so tun, als ob. Mit Kameraden durch ein fremdes Land zu fahren, beschossen zu werden und selbst schießen zu müssen und dabei im Hinterkopf zu haben, nicht ganz vom Sinn und der Nachhaltigkeit der Mission überzeugt zu sein, ist ein gänzlich anderes Kaliber. Nun dürfen wir auch nicht so tun, als wäre die Bundeswehr eine reine Verteidigungsarmee. Als solche war sie angedacht und so wird sie auch verkauft, doch Deutschland beteiligte sich in der Vergangenheit schon mehrfach an Kriegen, die weder der Verteidigung dienten noch eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität in den betroffenen Ländern brachte. Wir erinnern uns an das Märchen der Demokratieverteidigung im Nahen und Mittleren Osten oder Einsätze in Afrika, die für die dortige Bevölkerung sogar Sinn gemacht hätten, um Genozide zu beenden - dazu hätte es aber ein Mandat gebraucht, das es nicht gab. Die Deutschen waren also zum Zuschauen dort. Möglicherweise könnte das daran gelegen haben, dass Afrika für vieles bekannt ist, aber sicher nicht für ein reiches Ölvorkommen oder wichtige Handelsrouten.
Das Soldatendasein scheint also auf ganzer Linie eher unbefriedigend. Nun bin ich mir bewusst darüber, dass ein Land eine Armee dringend benötigt, um Abschreckungswirkung zu entfalten und sich verteidigen zu können. Auch den damit zusammenhängenden Grundwehrdienst hielt und halte ich für richtig; nicht nur, um die Bundeswehr (als Verteidigungsinstrument) zu stärken, sondern um durch die Ersatzdienste das Gesundheits- und Sozialwesen zu unterstützen. Viele Menschen sind durch ihren Zivildienst erst zur Pflege oder den Rettungsdienst gekommen, haben Gefallen darin gefunden und sind geblieben. Es muss aber klar sein, dass diejenigen, die sich möglicherweise sogar für eine Verpflichtung bei der Bundeswehr entscheiden, nicht zu Spielfiguren werden, die dann nicht mehr nur zur Landesverteidigung eingesetzt werden, sondern um Demokratiebomben in Drittstaaten zu werfen - mit völlig unabsehbaren Folgen für Europa.
Diese Klarheit sehe ich nicht mehr - ganz im Gegenteil. Es wird zunehmend klarer, wohin die Reise führen soll. Dass Pistorius offen von ,,Kriegstüchtigkeit" und nicht mehr von ,,Wehrtüchtigkeit" spricht und - was noch viel aussagekräftiger ist - praktisch keinen Widerspruch erntet, ist richtungsweisend. Hinzu kommen propagandistische Sendungen wie die von Lanz, die Propaganda über Russland, das uns in den nächsten Jahren angreifen solle - wobei völlig ignoriert wird, dass die Russen bereits in der Ukraine kaum vorankommen, das mit der militärischen Stärke der EU/NATO überhaupt nicht vergleichbar ist - und schlussendlich auch Self-Made-Propaganda von Menschen, deren Tun das Ergebnis ihres eigenen unentdeckten Propagandakonsums ist.
Die Konsequenzen daraus sind echt. Sehen Sie sich gerne das ein oder andere Kriegsvideo in den Sozialen Medien an - der Algorithmus wird Sie schnell damit zumüllen. Sie werden bald glauben, dass an jeder Ecke Soldaten lauern und wir kurz vor einer völligen Eskalation stehen. Je mehr Sie davon entdecken, umso mehr manifestiert sich diese Überzeugung und je überzeugter Sie sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie selbst glauben, etwas tun zu müssen. Das kann bedeuten, dass Sie militärische Interventionen gut zu finden beginnen - oder dass Sie befürworten, in nicht-demokratischen Ländern Demokratie etablieren zu wollen. ?Oder Sie kommen auf ganz andere wirre Ideen.
Haben Sie sich etwa gefragt, warum Greta Thunberg mitsamt ihrer Anhängerschaft auf die Idee kam, mit ihrer Terror-Flotilla nach Gaza fahren zu wollen, um dort drei Dosen Ravioli und fünf Liter Wasser vorbeizubringen? Propaganda ist die Antwort. Sie sind durch Soziale Medien derart hirngewaschen worden, dass sie tatsächlich meinten, ungehindert in ein Kriegsgebiet vordringen zu können, dort mit ihrer Mini-Lieferung einen Unterschied machen zu können und dass das die Machthaber dieser Welt wirklich interessiert. Das ist ein Mangel an Rationalität, der in Worte nicht zu fassen ist. Der Vorgang als solcher ist aber auch Propaganda, denn die Inszenierung der gesamten Reise animierte wiederum andere Menschen dazu, weiter in Antisemitismus und Verschwörungstheorien abzudriften, die dann ihrerseits wieder propagandistische Inhalte produzieren. Ein Teufelskreis.
Eine folgerichtige Konsequenz der zunehmend hirngewaschenen Bevölkerung ist die Überlagerung in die Politik, wobei das freilich die Frage nach der Henne und dem Ei ist. Die europaweite Verrohung der Gesellschaft führt zur Spannung und Gewaltbereitschaft, die auch das Wahlverhalten beeinflussen. Gut für die, die die Zeichen der Zeit lesen können - also diejenigen, die Radikalität predigen statt Mäßigung, die Krieg wollen statt Frieden, die Probleme suchen, statt Lösungen zu erarbeiten. Deshalb sind auch populistische und radikale Parteien in Europa auf dem Vormarsch. Sie haben verstanden, dass ältere Wähler verängstigt sind und sich deshalb leicht steuern lassen und die jüngeren dank der Sozialen Medien permanent mit Katastrophenszenarien, Kriegen und Ungerechtigkeiten beschallt werden können, während Populisten gleichzeitig einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten. Wirtschaftliche Unsicherheit war historisch selten ein Zufall im Vorfeld von Konflikten - sondern oft ihr Nährboden. Die deutsche Wirtschaft schrumpft, das Geld wird immer weniger wert und die Waren gleichzeitig immer teurer. Spinnereien unseres großen Bruders, der im Iran was auch immer tut, die dann zu noch höheren Preisen und Verknappungen führen, tun ihr Übriges.
Die Antworten der deutschen Regierung auf die innerdeutsche Gesamtlage lässt allenfalls die Vermutung zu, dass die Bevölkerung auf Krieg eingestimmt werden soll. Denn die Teuerung wird mit Diskussionen über Steuererhöhungen und massive Kürzung der Sozialleistungen beantwortet, was nicht weniger bedeutet, als dass denjenigen, die aufgrund der Wirtschaftslage existenzielle Sorgen haben und deren Kaufkraft schwindet, noch mehr Kaufkraft genommen werden soll. Aus der Geschichte wissen wir, dass ein wesentlicher Faktor in der Entstehung von Kriegen die Perspektivlosigkeit ist - wenn, vor allem Männer, in ihrem Heimatland keine Perspektiven mehr sehen, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass ein Krieg begonnen oder zumindest befürwortet wird. Bei aller berechtigter Kritik am Kapitalismus: Kaufkraft und Wohlstand sind Garanten für Frieden.
Die Konsumfähigkeit der Bevölkerung durch zusätzliche Belastungen und Kürzungen künstlich zu verknappen, gleichzeitig massiv für das Militär zu werben, Ängste vor dem ja beinahe schon historischen Feind Russland zu schüren und immer wieder durch Propaganda zu insinuieren, dass Krieg ja eigentlich gar nicht so schlimm sei, ist ein beängstigender Zustand.
Während ich diesen Text verfasse, wurde bekannt, dass die Bundesregierung im Wehrpflichtgesetz einen entscheidenden Satz hat einfügen lassen:
,,Männliche Personen haben nach Vollendung des 17. Lebensjahres eine Genehmigung des zuständigen Karrierecenters der Bundeswehr einzuholen, wenn sie die Bundesrepublik Deutschland länger als drei Monate verlassen wollen (...). "
Die Genehmigung, so das Verteidigungsministerium, werde bis zur Aktivierung der Wehrpflicht grundsätzlich erteilt. Nun, was erteilt werden muss, kann auch abgelehnt werden. Bisher herrschte eine Genehmigungspflicht ausschließlich im Spannungs- oder Verteidigungsfall.
Subsumieren wir all diese Beobachtungen und Informationen, ist es, als führe all das zu einer alles entscheidenden Frage, die dereinst Goebbels gestellt hatte und die wir niemals wieder stellen wollten:
Wollt ihr den totalen Krieg?
09.04.26
©Daniel Nuber
In dem Buch "Rost, Weed und Rakija" beschreibt Daniel Nuber seine Reise durch den Balkan. Ansonsten ist er als Fachwirt Spezialisiert auf das Gesundheits- und Sozialwesen und betätigt sich als Autor, Video- und Fotograf.
HIER GEHTS ZUM NEUEN BUCH
Schreibe einen Kommentar
Seite teilen
