Wollt ihr den totalen Krieg?

Wollt ihr den totalen Krieg?

Noch nie war Propaganda so billig, so schnell und so wirkungsvoll wie heute. Benötigte es im Dritten Reich noch ein ganzes Propagandaministerium, reicht heute ein Smartphone. Sehen wir uns die mediale und politische Lage an und was darin propagiert wird, kommen wir nicht umhin, zu fragen: Wollen wir Krieg?

von Daniel Nuber
Eine meisterhafte Anleitung über Propaganda schuf Edward Bernays im Jahr 1928 mit seinem Buch ,,Propaganda." Ausführlich beschreibt er darin, wie die breite Masse manipuliert werden kann. In erster Linie müssten tiefgreifende Gefühle angesprochen werden, keine Fakten - Ängste, Sorgen, das Streben nach körperlicher und geistiger Unversehrtheit und das Zugehörigkeitsgefühl. Die Mechanismen, die Edward Bernays beschrieb, fanden später auch im nationalsozialistischen Propagandaapparat Anwendung. Nationalsozialisten griffen wesentliche Teile daraus auf, um Stimmung gegen Juden, Andersdenkende und Menschen zu machen, die aus anderen Gründen nicht in das arische Weltbild passten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Begriff Propaganda deshalb negativ konnotiert. Wohlgemerkt: Der Begriff. Propaganda selbst hat nie aufgehört. Im Westen hergestellte Propaganda nennen wir heute Werbung, Marketing, Public Relations oder Informationskampagnen. An und für sich genommen ist die Ersetzung der nun negativ besetzten Bezeichnung der Propaganda auch Propaganda, immerhin will Ihnen jemand weiß machen, dass Sie nicht mehr zu einem bestimmten Zweck manipuliert werden, um Sie so leichter manipulieren zu können.

Über viele Jahrzehnte hinweg wurden wir überwiegend von Wirtschaftspropaganda manipuliert. Zigarettenhersteller etwa, die mit bezahlten Studien erklärten, dass der Konsum von Tabak gesundheitsförderlich sei. Auch der Hersteller einer bekannten Schokoladencreme machte uns weiß, dass diese zu einem guten, ausgewogenen Frühstück gehöre, ebenso wie Cornflakes. Dass das im Grunde nur eine Pampe aus Zucker, billigem Fett und Geschmacksverstärkern ist, die allenfalls gelegentlich und sicher nicht ständig gegessen werden sollte, verschwieg der Produzent natürlich. Und der Kunde kauft. Denn er denkt ja, das gehöre zum Frühstück dazu.
Nun macht Propaganda keinen Halt bei Drogen oder Nahrungsmitteln. Ein Geschäft stellte schon immer alle anderen in den Schatten: Krieg. In den letzten Jahren entstand eine beachtliche und vor allem beängstigende Propagandamaschinerie, von dessen Größenordnung der NS-Propagandaminister Goebbels wohl nur hätte träumen können. Waren früher viele Millionen Dollar nötig, um Tom Cruise in Top Gun einen heroischen Piloten spielen zu lassen, der allein dadurch für eine größere Zustimmung beim US-Militär und steigende Rekrutierungszahlen sorgen konnte, reicht heute ein internetfähiges Endgerät. Material ist überall da - aus früheren oder aktuellen Kriegen und inzwischen auch von KI generiert. Effektive Propagandisten mischen heute echte und erfundene Inhalte und lassen virtuelle Krisen entstehen, die es so überhaupt nicht gibt und manipulieren so Menschen, die die erfundenen Krieg dann entweder Wirklichkeit werden lassen oder zumindest breitwillig mitmachen. In Deutschland, so scheint es, haben wir allmählich auch wieder große Lust darauf, in einen Krieg einzusteigen.

Kaum anders ist zu erklären, weshalb fleißig Kriegs- und Militärpropaganda betrieben wird. Spätestens seit Verteidigungsminister Pistorius erklärte, dass die Bundeswehr wieder ,,kriegstüchtig" werden müsse, stehen die Zeiger darauf, die Kriegsbereitschaft der Deutschen wieder zu erhöhen - mal mehr, mal weniger offensichtlich. Sehr offensichtlich etwa war die Kriegspropagandashow von Markus Lanz am 04.03.2026. Darin griffen die drei Pro-Militaristen Marius Lange, Kerry Hoppe und Léocadie Reimers den einzigen Pazifisten in der Gruppe, Ole Nymoen, an und versuchten ihm und insbesondere den Zuschauern zu erklären, dass Krieg doch eigentlich gar nicht so schlimm sei. Nymoen entgegnete, dass er zu fliehen versuchen würde, käme es hierzulande zu einer militärischen Auseinandersetzung, und dass er nicht bereit sei, für Deutschland zu sterben. Bei den anderen Gesprächsteilnehmern löste das Widerstand aus. Als Nymoen gefragt wird, woher seine Abneigung gegen Kriege denn stamme, immerhin habe er noch nie an einem teilgenommen, bezog er sich auf Filme, Bücher und Erzählungen und wurde dafür ausgelacht.

Interessanterweise war keine der übrigen drei jemals im Krieg. Marius Lange ist minderjährig und hat noch nicht einmal den Grundwehrdienst absolviert. Die beiden Damen haben sich immerhin bei der Bundeswehr ausbilden lassen, aber auch unmittelbar danach woanders angeheuert - die eine ist Juristin, die andere arbeitet für eine Drohnenfirma (ein Schelm, wer hier Lobbyinteressen unterstellt). So überzeugt können zumindest die beiden Frauen von der Bundeswehr auch nicht sein. Vielleicht sind sie sich aber auch bewusst darüber, dass Krieg außerhalb des Übungsplatzes kein bisschen glamourös ist.

Bei einer Übung durch den Wald zu stapfen und so zu tun, als stünde die Truppe unter Beschuss, ist genau das: so tun, als ob. Mit Kameraden durch ein fremdes Land zu fahren, beschossen zu werden und selbst schießen zu müssen und dabei im Hinterkopf zu haben, nicht ganz vom Sinn und der Nachhaltigkeit der Mission überzeugt zu sein, ist ein gänzlich anderes Kaliber. Nun dürfen wir auch nicht so tun, als wäre die Bundeswehr eine reine Verteidigungsarmee. Als solche war sie angedacht und so wird sie auch verkauft, doch Deutschland beteiligte sich in der Vergangenheit schon mehrfach an Kriegen, die weder der Verteidigung dienten noch eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität in den betroffenen Ländern brachte. Wir erinnern uns an das Märchen der Demokratieverteidigung im Nahen und Mittleren Osten oder Einsätze in Afrika, die für die dortige Bevölkerung sogar Sinn gemacht hätten, um Genozide zu beenden - dazu hätte es aber ein Mandat gebraucht, das es nicht gab. Die Deutschen waren also zum Zuschauen dort. Möglicherweise könnte das daran gelegen haben, dass Afrika für vieles bekannt ist, aber sicher nicht für ein reiches Ölvorkommen oder wichtige Handelsrouten.
Das Soldatendasein scheint also auf ganzer Linie eher unbefriedigend. Nun bin ich mir bewusst darüber, dass ein Land eine Armee dringend benötigt, um Abschreckungswirkung zu entfalten und sich verteidigen zu können. Auch den damit zusammenhängenden Grundwehrdienst hielt und halte ich für richtig; nicht nur, um die Bundeswehr (als Verteidigungsinstrument) zu stärken, sondern um durch die Ersatzdienste das Gesundheits- und Sozialwesen zu unterstützen. Viele Menschen sind durch ihren Zivildienst erst zur Pflege oder den Rettungsdienst gekommen, haben Gefallen darin gefunden und sind geblieben. Es muss aber klar sein, dass diejenigen, die sich möglicherweise sogar für eine Verpflichtung bei der Bundeswehr entscheiden, nicht zu Spielfiguren werden, die dann nicht mehr nur zur Landesverteidigung eingesetzt werden, sondern um Demokratiebomben in Drittstaaten zu werfen - mit völlig unabsehbaren Folgen für Europa.

Diese Klarheit sehe ich nicht mehr - ganz im Gegenteil. Es wird zunehmend klarer, wohin die Reise führen soll. Dass Pistorius offen von ,,Kriegstüchtigkeit" und nicht mehr von ,,Wehrtüchtigkeit" spricht und - was noch viel aussagekräftiger ist - praktisch keinen Widerspruch erntet, ist richtungsweisend. Hinzu kommen propagandistische Sendungen wie die von Lanz, die Propaganda über Russland, das uns in den nächsten Jahren angreifen solle - wobei völlig ignoriert wird, dass die Russen bereits in der Ukraine kaum vorankommen, das mit der militärischen Stärke der EU/NATO überhaupt nicht vergleichbar ist - und schlussendlich auch Self-Made-Propaganda von Menschen, deren Tun das Ergebnis ihres eigenen unentdeckten Propagandakonsums ist.

Die Konsequenzen daraus sind echt. Sehen Sie sich gerne das ein oder andere Kriegsvideo in den Sozialen Medien an - der Algorithmus wird Sie schnell damit zumüllen. Sie werden bald glauben, dass an jeder Ecke Soldaten lauern und wir kurz vor einer völligen Eskalation stehen. Je mehr Sie davon entdecken, umso mehr manifestiert sich diese Überzeugung und je überzeugter Sie sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie selbst glauben, etwas tun zu müssen. Das kann bedeuten, dass Sie militärische Interventionen gut zu finden beginnen - oder dass Sie befürworten, in nicht-demokratischen Ländern Demokratie etablieren zu wollen. ?Oder Sie kommen auf ganz andere wirre Ideen.

Haben Sie sich etwa gefragt, warum Greta Thunberg mitsamt ihrer Anhängerschaft auf die Idee kam, mit ihrer Terror-Flotilla nach Gaza fahren zu wollen, um dort drei Dosen Ravioli und fünf Liter Wasser vorbeizubringen? Propaganda ist die Antwort. Sie sind durch Soziale Medien derart hirngewaschen worden, dass sie tatsächlich meinten, ungehindert in ein Kriegsgebiet vordringen zu können, dort mit ihrer Mini-Lieferung einen Unterschied machen zu können und dass das die Machthaber dieser Welt wirklich interessiert. Das ist ein Mangel an Rationalität, der in Worte nicht zu fassen ist. Der Vorgang als solcher ist aber auch Propaganda, denn die Inszenierung der gesamten Reise animierte wiederum andere Menschen dazu, weiter in Antisemitismus und Verschwörungstheorien abzudriften, die dann ihrerseits wieder propagandistische Inhalte produzieren. Ein Teufelskreis.

Eine folgerichtige Konsequenz der zunehmend hirngewaschenen Bevölkerung ist die Überlagerung in die Politik, wobei das freilich die Frage nach der Henne und dem Ei ist. Die europaweite Verrohung der Gesellschaft führt zur Spannung und Gewaltbereitschaft, die auch das Wahlverhalten beeinflussen. Gut für die, die die Zeichen der Zeit lesen können - also diejenigen, die Radikalität predigen statt Mäßigung, die Krieg wollen statt Frieden, die Probleme suchen, statt Lösungen zu erarbeiten. Deshalb sind auch populistische und radikale Parteien in Europa auf dem Vormarsch. Sie haben verstanden, dass ältere Wähler verängstigt sind und sich deshalb leicht steuern lassen und die jüngeren dank der Sozialen Medien permanent mit Katastrophenszenarien, Kriegen und Ungerechtigkeiten beschallt werden können, während Populisten gleichzeitig einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten. Wirtschaftliche Unsicherheit war historisch selten ein Zufall im Vorfeld von Konflikten - sondern oft ihr Nährboden. Die deutsche Wirtschaft schrumpft, das Geld wird immer weniger wert und die Waren gleichzeitig immer teurer. Spinnereien unseres großen Bruders, der im Iran was auch immer tut, die dann zu noch höheren Preisen und Verknappungen führen, tun ihr Übriges.

Die Antworten der deutschen Regierung auf die innerdeutsche Gesamtlage lässt allenfalls die Vermutung zu, dass die Bevölkerung auf Krieg eingestimmt werden soll. Denn die Teuerung wird mit Diskussionen über Steuererhöhungen und massive Kürzung der Sozialleistungen beantwortet, was nicht weniger bedeutet, als dass denjenigen, die aufgrund der Wirtschaftslage existenzielle Sorgen haben und deren Kaufkraft schwindet, noch mehr Kaufkraft genommen werden soll. Aus der Geschichte wissen wir, dass ein wesentlicher Faktor in der Entstehung von Kriegen die Perspektivlosigkeit ist - wenn, vor allem Männer, in ihrem Heimatland keine Perspektiven mehr sehen, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass ein Krieg begonnen oder zumindest befürwortet wird. Bei aller berechtigter Kritik am Kapitalismus: Kaufkraft und Wohlstand sind Garanten für Frieden.

Die Konsumfähigkeit der Bevölkerung durch zusätzliche Belastungen und Kürzungen künstlich zu verknappen, gleichzeitig massiv für das Militär zu werben, Ängste vor dem ja beinahe schon historischen Feind Russland zu schüren und immer wieder durch Propaganda zu insinuieren, dass Krieg ja eigentlich gar nicht so schlimm sei, ist ein beängstigender Zustand.
Während ich diesen Text verfasse, wurde bekannt, dass die Bundesregierung im Wehrpflichtgesetz einen entscheidenden Satz hat einfügen lassen:
,,Männliche Personen haben nach Vollendung des 17. Lebensjahres eine Genehmigung des zuständigen Karrierecenters der Bundeswehr einzuholen, wenn sie die Bundesrepublik Deutschland länger als drei Monate verlassen wollen (...). "
Die Genehmigung, so das Verteidigungsministerium, werde bis zur Aktivierung der Wehrpflicht grundsätzlich erteilt. Nun, was erteilt werden muss, kann auch abgelehnt werden. Bisher herrschte eine Genehmigungspflicht ausschließlich im Spannungs- oder Verteidigungsfall.

Subsumieren wir all diese Beobachtungen und Informationen, ist es, als führe all das zu einer alles entscheidenden Frage, die dereinst Goebbels gestellt hatte und die wir niemals wieder stellen wollten:

Wollt ihr den totalen Krieg?

09.04.26
©Daniel Nuber
In dem Buch "Rost, Weed und Rakija" beschreibt Daniel Nuber seine Reise durch den Balkan. Ansonsten ist er als Fachwirt Spezialisiert auf das Gesundheits- und Sozialwesen und betätigt sich als Autor, Video- und Fotograf.

HIER GEHTS ZUM NEUEN BUCH
Kommentare
  • Yvonné Hösel
    15.04.2026 12:05
    Der Artikel und der Kommentar sind beide relativ ausgewogen.

    Der eine warnt vor einseitiger Militär- und Kriegspropaganda, der andere betont zu Recht, dass Abschreckung und eine funktionsfähige Bundeswehr wichtig sind – besonders bei maroder Truppe und unzuverlässigen Bündnispartnern.
    Trotzdem fehlt mir an der gesamten Debatte ein ganz wesentlicher Aspekt:
    Die massive Investition in diplomatische und rhetorische Kompetenz.

    Wir sprechen fast ausschließlich über die militärische Hardware: Wehrpflicht, „kriegstüchtig“ werden, Panzer, Drohnen und Abschreckung. Das ist wichtig.
    Aber wo bleibt die Software der Konfliktlösung?
    Wo ist das große, ernsthaft finanzierte Programm, das junge Menschen systematisch zu starken Diplomaten, exzellenten Verhandlern und rhetorisch versierten Strategen ausbildet? Wo lernen wir, Konflikte frühzeitig mit klugen Worten, überlegener Argumentation und psychologischem Verständnis zu deeskalieren, statt sie später nur noch militärisch bewältigen zu müssen?

    Eine marode Bundeswehr kann man mit Zeit und Geld wieder aufbauen.
    Aber eine politische Klasse und eine Gesellschaft, die verlernt hat, diplomatisch und rhetorisch auf Augenhöhe mit autoritären Mächten zu agieren, wird langfristig entweder erpresst oder in Kriege hineingezogen – egal wie viele Soldaten oder Panzer wir haben.

    Genau deshalb wirkt die einseitige Fokussierung auf „Kriegstüchtigkeit“ so unvollständig. Sie erweckt den Eindruck, Sicherheit käme fast nur aus mehr Militär. Dabei bräuchten wir mindestens genauso dringend eine massive Aufwertung der diplomatischen und rhetorischen Fähigkeiten.

    Gibt es in der aktuellen Politik oder in der öffentlichen Debatte überhaupt ernstzunehmende Ansätze, genau diesen Bereich (Diplomatie, Rhetorik, präventive Konfliktlösung durch Verhandlung) stark zu fördern? Oder bleibt es tatsächlich fast nur bei der militärischen Schiene?

  • Sascha
    10.04.2026 11:21
    Beim letzten Beitrag konnte ich nur "Chapeau" sagen, hier finde ich Einschränkungen :-)

    Also, zunächst mal kann ich weitgehend zustimmen und Krieg will ich auch nicht, lasse mich auch nicht darauf einstimmen. Und es ist richtig, dass Russland in der Ukraine nicht weiterkam. Allerdings ist das ja auch so, weil sie jede Menge Unterstützung durch die USA und die EU erhalten haben bzgl. Waffen etc. Wie das ohne diese Unterstützung ausgesehen hätte, steht auf einem ganz anderen Blatt.

    Dann wird immer - wie auch hier im Beitrag gesagt - die Nato wäre doch durch Russland nicht zu besiegen. Da darf man dann aber auch nicht vergessen, dass die USA - der wichtigste Nato-Partner - im Moment wohl extrem unzuverlässig ist. Dann kommt noch hinzu, dass in Deutschland die Bundeswehr momentan ziemlich marode aufgestellt ist. Wer weiß also, ob wir im Fall der Fälle wirklich so kampfbereit wie die Ukraine wären. Die Ukraine hat z.B. schon bei zwei Militärmanövern in deutlicher Unterzahl die anderen Nato-Länder besiegt. Das mögen nur Manöver sein, aber es zeigt eben auch, dass die Menschen dort noch anders kämpfen, denn sie waren immerhin in der Unterzahl.

    Würde wir heute angegriffen und unsere Partner würden den Bündnisfall nicht einhalten - eben weil überall die Menschen Angst haben und es gar nicht mehr gewöhnt sind, zu kämpfen (zum Glück auf einer einen Seite) -, wäre ich mir nicht so sicher, ob wir hier so gut wie die Ukraine standhalten. Das wage ich, ehrlich gesagt, zu bezweifeln.

    Dann kommt noch hinzu, dass die Weltlage immer unberechenbarer wird und da sollte man sich doch gut auf alle möglichen Eventualitäten vorbereiten. Für mich ist das keine Kriegspropaganda, sondern gesunder Menschenverstand. Wieso also immer so schwarz-weiß sehen. Nicht jeder, der gegen Aufrüstung ist, ist ein Waschlappen, aber es ist eben auch nicht jeder, der dafür ist, dass wir uns gut vorbereiten, ein gehirngewaschener Kriegstreiber.

    Natürlich also besteht durch Russland hier und heute keine Gefahr, weil die gerade genug beschäftigt sind. Aber es gibt ja auch noch eine Zukunft und nicht nur Russland als Gefahr. Ich halte es daher für sehr sinnvoll, auf diese Eventualitäten vorbereitet zu sein. Die Geschichte hat uns nun sehr gut gezeigt - inzwischen auch durch Trump -, dass wir doch nach dem Ende der Sowjetunion nicht auf der Insel der Glückseligkeit leben und uns das Geld für Waffen sparen können. Das haben wir sehr lange gemacht und uns voll auf die Nato und besonders auf die USA verlassen. Jetzt kommt die Quittung.

    Von daher: Nicht alles ist immer nur dumme Propaganda, manchmal sind die Sachen auch einfach nur sinnvoll. Daraus abzuleiten, dass Pistorius oder Deutschland Pläne macht, selber Kriege zu führen oder in andere aus Habgier einzusteigen, halte ich für fraglich. Natürlich ist nie etwas ausgeschlossen, aber es steht auf der anderen Seite auch nicht fest, dass es so kommt. Aktuell hat Merz ja den USA gesagt, dass er nicht mitmacht. Nicht, dass ich viel von Merz halte, aber offenbar ist er eben nicht auf den Zug aufgesprungen. Und ich glaube, selbst wenn wir ein gut aufgestelltes Militär hätten, hätte er das nicht getan.

    Die steigenden Preise haben wir ja unter anderem eben durch die Herren Putin und Trump und deren tatsächliche und nicht fiktive Kriegstreiberei. Unbenommen trägt unsere Regierung auch ihren Teil dazu bei und überhaupt dieser seit Jahrzehnten gelebte Kapitalismus, der natürlich nie für ewig funktionieren kann. Es hat aber noch keiner ein anderes Rezept gefunden. Auch die Bevölkerung ist damit ja einverstanden, denn sie will ja in die gute alte Zeit zurück, als der Kapitalismus noch gut war und funktioniert hat. Das war natürlich nie so, aber für uns hier und anderen westlichen Ländern schon. Es gab schon immer Leute, die gesagt haben, dass das nicht ewig funktioniert, aber das hat nie jemanden interessiert, weder das Volk noch die Politiker und die Reichen, die davon profitieren und viele Geschicke in der Politik lenken, schon gar nicht. Jetzt fällt uns halt alles auf die Füße. So ist die Weltgeschichte. Und Propaganda wird nicht nur von der Rüstungsindustrie gemacht, sondern auch von anderen Seiten, die Wehrlosigkeit als Pazifismus verkaufen, weil sich wehrhaft machen ja gleich Kriegstreiberei ist. Das ist auch eine Seite der Medaille. Man weiß ja mittlerweile, dass auch im Kalten Krieg Spione aus dem Osten hier die Friedensbewegung angekurbelt haben. Auch der Polizist, der Benno Ohnesorg erschossen hat, hat sich am Ende als DDR-Spion herausgestellt.

    Ich will damit keineswegs unsere Regierung verteidigen oder sagen, alles, was der Westen macht ist gut und richtig, denn das wäre Quatsch. Aber wir neigen trotzdem hier dazu, uns immer mehr selbst zu kritisieren und zu beschuldigen und dabei den Blick zu verlieren, dass auch die anderen keine Chorknaben sind und durchaus mit denselben oder noch viel schlimmeren Mitteln kämpfen.

    Also, ja, ich stimme vielen Punkten zu, aber zum Thema Kriegstreiberei sehe ich das hier ein bisschen zu tendenziös argumentiert.

    Trotzdem danke für den Beitrag, denn viele Teile finde ich absolut gut herausgearbeitet.
Schreibe einen Kommentar
Datenschutzhinweis